#7 Nordinsel Neuseelands – Whanganui River & Mt. Taranaki

Jetzt liege ich hier auf einem einsamen Campingplatz auf der Coromandel Halbinsel. Das einzigste was ich vorm Einschlafen noch höre, sind allerlei seltsame Tiergeräusche. Vom Vogel über Grille bis hin zum Possum – alles ist vertreten. Es ist immer wieder beruhigend, dass Neuseeland angeblich keine gefährlichen Tiere beherbergt.

Nachts
Nachts

Aber das ist nicht immer so gewesen. Oftmals nervte auch irgendein alter schnarchender Zeltnachbar oder ein alter, eigentlich schon für den Schrottplatz reifer Campervan, der in den letzten 30 min vor dem zu Bett gehen mindestens noch 100 mal auf und zu gemacht wurde.

Eigentlich wollte ich genau aus diesem Grund auf der Nordinsel auf so wenig wie möglich öffentlichen Campingplätzen übernachten und mich wieder mehr der Natur widmen. So war zumindest die Idee nachdem ich mich über eine Woche lang im Norden der Südinsel erholt hatte. Aber bereits nach den ersten paar Tagen auf der Nordinsel mit einem Sturm, der mir fast das Zelt zerfledert hätte, war diese Idee bereits wieder über Bord geworfen. Außerdem hat die einsetzende Nebensaison die meisten Campingplätze nun erträglich ruhig werden lassen. Kein Grund also auf Dusche, Küche und Gemütlichkeit zu verzichten. So habe ich mich nun über meist verkehrsreiche Highways durch die Nordinsel gearbeitet und das ein oder andere mal mein bike am liebsten in den Graben geschmissen.

Highways
Highways

Der Verkehr auf der Nordinsel ist mit dem auf der Südinsel absolut nicht zu vergleichen. Unzählige Trucks machen dem Radfahrer das Leben schwer. Es wird überholt egal ob was von vorn kommt oder nicht. Dabei entstehen so manches mal recht haarige Situationen. Das Problem hier in Neuseeland ist, es gibt keine Autobahnen. Der komplette Schwerlastverkehr marschiert über die normalen Bundesstraßen, die auch ich als Biker nutzen muss um einigermaßen zügig vorwärts zu kommen.

Ausweichrouten gibt es wenige und entlang der meisten Strecken gibt es eigentlich recht wenig zu sehen. Trotzdem, jetzt wo ich in Auckland angekommen bin und wohl den schönsten Teil der Nordinsel noch vor mir habe, blicke ich durchaus zufrieden und glücklich auf die vergangen 2000 Kilometer zurück. Denn auch wenn ich oft fast vorm Ausrasten war, gab es doch auch viele herrliche Erlebnisse, die ich nicht missen möchte und die ich wohl auch nie wieder vergessen werde.

Das ist das Gute am Menschen: Die guten Erinnerungen bleiben, die schlechten werden bei Zeiten aus dem Gehirn verbannt ( so zumindest bei mir ;-)).

Das erste Highlite aus Radfahrersicht war die Strecke zwischen Napier und Taihape.

Jeder dem ich erzählt habe wo ich lang fahren will bzw. wo ich lang gefahren bin, hat nur große Augen bekommen und ungläubig auf meinen bis unter’s Dach beladenen Esel geschaut. Diese 140 Kilometer durchs Gebirge hatten es wahrlich in sich, waren für mich aber, als jemand der die Berge liebt, eine wahre Freude. Natur pur, ohne Shops, Tankstellen oder sonstigen facilities – awesome.

Napier - Taihape
Napier – Taihape

Es ging entweder hoch oder runter. Flach war es weniger bis nie. Die Anstiege waren teilweise so steil, dass mein erster Gang nicht ausreichte und ich traversieren musste. Den einen Morgen hatte ich nach knapp 20 Kilometer bereits gute 800 Höhenmeter auf der Uhr! Natürlich war klar, dass ich danach Ruhetage brauchen würde. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ein Regengebiet im Anmarsch war.

Campsite middle of nowhere
Campsite middle of nowhere

Dass ich Tage später bei Rob mit Sack und Pack in der Haustür stand, um bei ihm zu übernachten, zähle ich auch unter die Kategorie „Nichts passiert ohne Grund. Alles hat irgend einen Sinn und ist zu irgendwas gut.“

Denn zuvor war ich auf einem Campsite einen Ort weiter und wollte von dort aus eigentlich eine Kajaktour auf dem Whanganui River unternehmen. Da die Kollegen aber erst Tage später die nächste Kajaktour auf der Agenda hatten, fuhr ich ins Nachbardorf Ohakune und machte mich bei YetiTours schlau. Hier sollte die nächste Kajaktour bereits am nächsten Tag beginnen, allerdings laut Vorhersage im Regen. Die nette Frau am Empfang erklärte mir alles und überredete mich trotz schlechter Wettervorhersage daran teil zu nehmen. Gleichzeitig bot sie mir für die Nacht davor ein Zimmer bei einem ihrer Fahrer an, bei Rob.

Whanganui River
Whanganui River

Für legere 10$ sollte ich dort ein schönes Bett, Küche, laundry und WIFI bekommen. Herrlig, dachte ich, packte all mein Zeug zusammen und fuhr im Regen zu Rob. Rob ist ein Mitte 50-iger und Kiwi-like absolut freundlich und zuvorkommend. Er zeigte mir wo alles ist und betonte mehrmals, dass das wichtigste sei, dass ich mich gut fühle und relaxen kann.

Rob Yeti Tours
Rob Yeti Tours

Und eh ich mich versah hatte ich auch schon das Willkommensbier in der Hand. 🙂

Die folgenden 3 Tage können am besten mein Video beschreiben. Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Nur soviel. „Es war einfach nur herrlig!“

Hier gehts zum Whanganui Kajaktour Video.

Die 3 Tage Kajaktour vergingen wie im Flug. Es waren 3 Tage voll gepackt mit Erlebnissen und coolen Bekanntschaften, 3 Tage voller Freude und im gewissen Sinne auch mit Erholung ( Für den Geist in dem Fall ). Ich war wieder motiviert für die nächsten Tage und Wochen.

Camspite mit chinese friends
Camspite mit chinese friends

Nach der Tour konnte ich nochmal eine Nacht bei Rob übernachten, mich sammeln und alles sortieren, ehe ich am nächsten Tag wieder auf meinem Bike in Richtung Nordwesten saß. Mein nächstes Ziel war New Plymouth ( Nju Plämmäff gesprochen )  mit dem freistehenden, wie aus dem Bilderbuch aussehenden Vulkan Mt. Taranaki (2518m).

Mt Taranaki
Mt Taranaki

Dort sollte es hoch gehen, in gewohnt solider Racing-Mokkasin Manier natürlich komplett aus eigener Kraft und nicht wie die meisten, zum Teil by bus.

Also klingelte am Tag 92,  der Wecker bereits 4:30 Uhr in der Früh um mich 5:45 Uhr by bike auf den Weg zum 30 km entfernten Fuße des Taranaki in 1000m Höhe zu machen.

Garmin bei Nacht
Garmin bei Nacht

Zum Glück war es an diesem Morgen etwas bewölkt, sodass die Temperaturen nicht allzu tief im Keller waren und ich gemütlich in Kurz -Kurz durch die Dunkelheit dem Taranaki entgegen fahren konnte.

Am Mt. Egmont Visitor Center, dem Summit-Track Anfang, angekommen, begrüßte mich dichter Nebel und kühlere Temperaturen.

Mt Egmont visitor center
Mt Egmont visitor center

Also stapfte ich die ersten 1000 Höhenmeter den extrem steilen Anstieg im Nebel hoch, ohne großartige Sicht. Wie sich später noch heraus stellen sollte, war das gar nicht so schlimm, denn so blieben die Temperaturen relativ angenehm sodass ich mit ordentlich Druck den Vulkan hoch bulxen konnte.

Aufstieg Mt Taranaki
Aufstieg Mt Taranaki

Nach gut 3 Stunden teilweise abartigster Kraxelei mit steiler Betonstraße, ca. 500 Treppenstufen, losem seramisartigem Geröll und verblocktem Terrain war ich auf dem Gipfel angekommen und wurde mit abziehenden Wolken und grandioser Aussicht belohnt.

Mt Taranaki
Mt Taranaki

Das ist immer das Schöne an einer Bergbesteigung: Oben bekommt man im Idealfall die Belohnung für seine Mühen – eine 1A Aussicht in alle Himmelsrichtungen.
Es fühlte sich an als würde man aus einem Flugzeug schauen. Kein weiterer Gipfel versperrte die Sicht. Das Panorama war einzigartig und nicht wie gewohnt voller weiterer Berggipfel. Nach obligatorischen Gipfelbildern und ner ordentlichen Mahlzeit, bestehend aus Riegeln, Keksen und Nüssen ging es an den nicht weniger gefährlichen Abstieg.

Abstieg Mt Taranaki
Abstieg Mt Taranaki

Dieser hat aufgrund des extrem losen Untergrunds und der enormen Steilheit fast genauso lange gedauert wie der Aufstieg. Dafür war der Weg by bike, back zum Campsite um einiges einfacher und schneller. Der Wind kam zur Abwechslung mal von hinten, sodass ich es einfach nur rollen lassen konnte. Nach 7,5 Stunden erreichte ich gut gelaunt aber völlig im Eimer den Campsite in New Plymouth. Das war ein Tag so wie ich ihn liebe. 🙂

Hier traf ich dann am Abend auf Birte und Holger, zwei Weltreisende aus der Nürnberger Region. Holger, Mitte 40, Gürteltasche, Käppi und sagenumwobenem „Tom Selleck Oberlippenbart“ war mir auf Anhieb sympathisch, seine frisch in Las Vegas geheiratete Frau, Birte, ebenfalls. 🙂 Wir kamen sofort ins Gespräch und verbrachten die folgenden Tage zusammen – es war ein heiden Spass.

Holger & Birte & Ich
Holger & Birte & Ich

Mehr dazu und wie wir fast auf einer Pferderennbahn trainiert hätten, schließlich doch zusammen das Tongario Alpine Crossing gemacht haben und vieles mehr gibt es im nächsten Beitrag.

Bis dahin: Keep smiling! 🙂

Euer Musch!

Teilen: Share on FacebookEmail this to someoneShare on Google+Pin on Pinterest

7 Kommentare bisher. Was sagst du dazu?

  1. Scheijen sagt:

    Servus Meiner,
    danke für die tollen Bilder und immer wieder gut geschriebenen und unterhaltsamen Reiseberichte die ich immer mit großem Interesse verfolge. Ist schon Wahnsinn wie die Zeit vergeht, du näherst dich nun schon deinem 100.Tag auf Tour und ich bin schon gespannt, auf das was da noch alles von dir und den Kiwis zu lesen sein wird. In diesem Sinne bleibt mir nur dir weiterhin viel Spaß und in manchen Situationen starke Nerven zu wünschen.

    See you ?

    11/04/2016
    Antworten
    • Moin Scheijen,

      schön wärs, würde ich mich erst Tag 100 nähern. Ich nähere mich um genau zu sein, Tag 112. Und zwar ist der genau Morgen. Auf den letzten Tag hier in NZ verfliegt die Zeit förmlich.
      Ich muss sie irgendwie aufhalten……nur wie???

      Gruz
      Musch

      11/04/2016
      Antworten
      • Scheijen sagt:

        Da wollte ich dir gerade mal helfen und für dich die Zeit zurückdrehen und bekommst es wieder mit. Naja ??

        11/04/2016
        Antworten
  2. Danke für Deinen schönen Bericht, in diesem Fall besonders für die „Reportage vom Whanganui River
    und ganz besonderes für das Foto vom Whanganui River. Ein echtes „Gänsehautfoto“.

    Allerdings hast Du damit bei uns das Fernweh noch verstärkt 😉

    cheers
    die Tandemfrogs

    15/04/2016
    Antworten
    • Hi! Cool, dass ihr den Weg auf meine Website gefunden habt. Ja diese Tour war wirklich eins meiner Highlights auf der Nordinsel.

      Viele Grüße noch aus Neuseeland

      Fränk

      06/05/2016
      Antworten
  3. Tobias sagt:

    Jedesmal herrlich erfrischend, vor allem deine Wortwahl ist an Detailreichtum nicht zu übertreffen !!
    Weiter so Frank 🙂

    16/04/2016
    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *