Kurztrip Schweiz – Sustenpass Tag 1&2

Fluch und Segen liegen häufig dicht beieinander. Eben noch ein drittes Loch in Arsch gefreut, kommt der Hammer meist brachial ohne Vorwarnung und macht die ganze Freude vorerst zu nichte. Wohl dem, der ein dickes Fell besitzt und sich weiterhin nur auf das Gute und Schöne konzentrieren kann.

Dienstag, 03.11.15

Es ist ein ganz normaler Morgen mitten in der Woche: Aufstehen, Duschen, Kaffee, Laptop. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt bereits gewusst, dass es in die Schweiz zum Pässefahren geht, wäre ich wohl ein paar Stunden eher aufgestanden.

Aber so saß ich noch gegen 8 Uhr gemütlich am Kaffeetisch ehe sich herauskristallisierte, dass ich für den Rest der Woche frei habe. Um die Zeit bestmöglich zu nutzen, checkte ich zu allererst die Wetterlage, sowohl bei uns als auch im Süden -überall Sonne! Ein sehr beständiges Hoch scheint es sich gerade über weite Teile Europas gemütlich zu machen. Also war der Plan schnell erstellt.

Schweiz ich komme! „Marko, wie ist der Plan? Bist du da? Ja? Ok, ich komme mal vorbei. Bis gleich!“ So oder so ähnlich lief das alles entscheidende Telefonat mit Bruder Marko ab,  und ne gute Stunde später war ich abfahrbereit.

Zu diesem Zeitpunkt war meine Laune auf dem Höhepunkt. Was will man mehr, dachte ich. Beste Wetteraussichten, Sonne satt und altbekannte Pässe die nur darauf warten von mir unter die Räder genommen zu werden. Es war einfach nur herrlich! Die Sonne krachte zur Seitenscheibe rein während ich mit gesitteten 150 km/h straff Richtung Süden eierte. Mit den Gedanken schon bei morgen und voller Vorfreude, gab es plötzlich einen lauten Schlag.

Nein! Kein Unfall! Im ersten Moment dachte ich mir nichts dabei doch im zweiten Moment sah ich auch schon diesen verdammt großen Steinschlag am unteren Rand der Frontscheibe. „Naja, kann man ja reparieren“, dachte ich. Doch kaum fertig gedacht, wurde daraus ein ordentlicher Riss der sich Millimeter für Millimeter zu allen Seiten weiter ausbreitete bis er schließlich nach 700 km wohl seine „Parkposition“ mit 30 cm Länge gefunden hat. „Klasse Berti!“ Bei einer Selbstbeteiligung von 950€ (wer rechnet denn schon mit so was) werde ich wohl den kompletten Schaden selbst bezahlen dürfen.

Nach kurzer Rechnerei stand fest: Dieser Kurztrip wird als einer der teuersten in die Geschichte von  „Racing Mokkasin on Tour„ eingehen. Und das, wo doch alles nichts weiter kosten sollte, weil ich für meine bevorstehende 6 monatige Auszeit jeden Cent brauche. Man sagt ja immer: „Alles hat auch seine guten Seiten.“ Bis jetzt suche ich vergebens nach dieser guten Seite. Auch nach einem Willkommenskräuterschnaps bei Marko, habe ich diese gute Seite vergebens gesucht.

Das einzigste was jetzt hilft, ist nicht weiter drüber nachzudenken und einfach weiter zu machen im Takt. Das geht natürlich besonders leicht wenn man hier unten inmitten der Alpen von Bergen und Pässen umzingelt ist und die Sonne selbst auf über 2000 müNN noch dafür sorgt, dass man kurzärmlig die Aussicht genießen kann.

Mittwoch, 04.11.15

Mit 3°C im Tal ist es noch relativ frisch. Aber die Vorhersage verspricht über 15°C oben in den Bergen. Und das Anfang November. Welch Freude! Das ganze Jahr über hat es mich etwas genervt, dass das alljährliche Pässefahren dieses Jahr wohl ausfallen muss. Umso schöner, dass es jetzt doch noch klappen soll.

Die altbekannten Pässe Furka, Grimsel, Susten, Nufenen, Gotthard, Oberalp, sind von hier aus allesamt gut mit dem Auto zu erreichen. Dabei gilt soviel wie möglich Flachkilometer zu vermeiden. Diese haben wir bei uns in Thüringen genug. Hier geht es darum das Verhältnis aus Höhenmeter und Kilometer so gut es geht in Richtung Höhenmeter zu drücken.

 

Der erste Pass soll der Sustenpass (2224 m) sein. Er ist einer der landschaftlich schönsten Alpenpässe in der Schweiz. Auf 27 Kilometer windet er sich 1600 Höhenmeter in die Höhe. Man durchquert dabei anfangs mehrere Hochebenen die durch kurze, steile, bewaldete Aufschwünge voneinander getrennt sind. Ungefähr 10 Kilometer vor der Passhöhe verlässt man endgültig den Wald. Die Umgebung wird felsiger und karger, die Ausblicke auf das umliegende Bergpanorama grandioser und atemberaubender.

Unzählige kleine Tunnel auf dem Weg hinauf zum Pass
Unzählige kleine Tunnel auf dem Weg hinauf zum Pass

Mit durchschnittlich 10 km/h schleiche ich also der Passhöhe entgegen. Und obwohl ich hier bereits jeden Meter auswendig kenne, ist es immer wieder ein einzigartiges Erlebnis. Unterhalb des Steingletschers mache ich gemütlich Mittag und bruzle bei gefühlt 20°C gemütlich in der Sonne, ehe ich mich auf die letzten geschmeidigen 300 Höhenmeter hinauf zur Passhöhe mache. Ich glaube, das letzte Mal als ich hier oben war, lag bedeutend mehr Schnee. Heute ist hier oben alles frei, ja geradezu sommerlich.

Aussicht von der Passhöhe hinunter Richtung Ostrampe
Aussicht von der Passhöhe hinunter Richtung Ostrampe

Ich machte noch einige Fotos, genoss die Aussicht und feuerte auf gleichen Weg wieder zurück hinunter ins Tal. Da noch weitere Tage folgen, möchte ich es nicht gleich am ersten Tag wieder übertreiben. Slowly Slowly.

Streckenverlauf von heute ( 68 km/ 1940 Hm ): 

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In diesem Sinne: Keep smiling (jetzt erst recht) 🙂

 

Euer Musch

 

 

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