#8 Nordinsel Neuseelands – Tongariro Alpine crossing

Was bisher geschah: Beitrag #7 Nordinsel Taranaki & Whanganui

Tatsächlich war es wirklich so, dass Holger und Birte meiner Reise neues Leben eingehaucht hatten. Nicht, dass meine Reise am sterben war, aber Ab und An braucht es einfach mal neue Reize, vor allem nach nunmehr über 100 Tagen on Tour. Denn wo ich auf der Südinsel beinahe jeden Tag irgendjemand getroffen habe, kann ich hier auf der Nordinsel neue Bekanntschaften an 2 Händen abzählen. Ich komme mir vor wie der letzte übrig gebliebene Biker. Alle anderen sind schon wieder fort.

So war es Holger, der am Ruhetag nach meiner Mt. Taranki Besteigung auf die Idee kam, Intervalle auf dem nahegelegenen „Race-circuit“ abzuspulen. Da ließ ich mich nicht zweimal bitten, doch dieser „Race-circuit“ entpuppte sich als 1A Pferderennbahn. 🙂

Lauftraining New Plymouth
Lauftraining New Plymouth

Wir haben nicht schlecht gelacht als wir davor standen. Nun ja, soviel power haben wir nun doch nicht, als dass wir auf einer Pferdrennbahn trainieren müssten. Eine Ausweichrunde, genau 400 m lang war schnell gefunden und unsere Intervalle bilderbuchmäßig abgespult. Danach gab’s herrlig Kaffee im Starbucks – bisschen Internationalität tut auch mal gut.

Tage später verabschiedeten wir uns voneinander, Holger & Birte mit dem Ziel Mt. Taranaki, ich mit dem Ziel Tongariro National Park, . Aber wie das in Neuseeland so ist, sieht man sich nicht zweimal im Leben sondern mehrfach.

Forgotten World Highway
Forgotten World Highway

Es verwunderte also nicht wirklich, dass wir uns am Abend auf einem Campingplatz am Forgotten World Highway wieder getroffen haben. Am nächsten Tag sollten sich unsere Wege dann aber endgültig trennen. Doch es kam wieder alles anders denn diese Reise schreibt ihre eigenen Gesetze.

Zuerst ging es weiter über die schöne hügelige Piste des Forgotten world highways. Diese Straße war mal zur Abwechslung wieder recht verkehrsarm und landschaftlich aller erste Sahne.

Forgotten World Highway
Forgotten World Highway

Noch dazu hatte ich Rückenwind und somit maximalen Fahrspass auf meinem Weg in Richtung Tongariro National Park. In einem Cafè stoppte ich für den obligatorischen Flat-White als die SMS von Birte rein kam. Ob ich nicht auf eine gemeinsame Tongariro Alpine Crossing Tour Lust hätte, fragte sie.

Weg zum National Park Village
Weg zum National Park Village

Ich hatte diesen, von allen Seiten hochgelobten „Great Walk“, der einer der besten, schönsten, awesomsten aber auch einer der höchstfrequentiertesten Neuseelands gilt, bereits wieder eben aus genau dieser letzten Eigenschaft  abgeschrieben und wollte mich nur auf den Gipfel des Mt. Ngauruhoe konzentrieren. Doch gemeinsam sollte das ein ordentlicher Hauptspass werden.

Und das wurde es auch. Früh gegen 6 Uhr waren wir in den Startlöchern und bereit für die 30  km lange Wanderung, inklusive der beiden Extragipfel Mt. Ngauruhoe (2291m) und Mt. Tongariro (1978m) (normalerweise 19 km lang). Unser Plan war, dass wir, Holger und ich, die beiden extra Gipfel mitmachen, während Birte langsam gemütlich weiter läuft, sodass wir sie später wieder einholen und zusammen die Wanderung beenden können.

Start Mt. Ngaurohe
Start Mt. Ngaurohe

Also trennten wir uns nach paar Kilometern von Birte und machten uns an den extrem steilen Anstieg des ersten Vulkans, dem Mt. Ngauruhoe. So eine derart steile Wand bin ich noch nie hochgelaufen. Dieser Vulkankegel war von Anfang bis Ende steil und hatte größtenteils extrem weichen seramisartigen Untergrund zu bieten.

Mt. Ngauruhoe
Mt. Ngauruhoe

Schneeschuhe wären hier wahrhaftig eine große Erleichterung gewesen. Zum Glück erkannte unser geschultes Auge einen  felsigen Bereich, der zwar mehr zum Klettern war, dafür aber einen festen Untergrund bot und wir so relativ zügig oben ankamen.

Aber was bitte ist bei einem Vulkan „oben“? Die Sache war nicht ganz eindeutig und Holger sein hochgeliebter „peakfinder“ zeigte uns erstmal prompt den falschen Weg an. Nun standen wir zwar am Krater, was auch herrlich war und mit einer grandiosen Aussicht belohnt wurde, aber Holger war davon gar nicht sonderlich beeindruckt denn sein peakfinder zeigte ihm nicht den alles entscheidenden Gipfelsieg an.

Am Krater Mt. Ngaurohe
Am Krater Mt. Ngaurohe „Wtf is the summit?“

(Peakfinder: Plattform für Bergsteiger, auf der alle Gipfelbesteigungen dokumentiert werden und es eine Rangliste nach Anzahl der bestiegenen Berge gibt.) Also bemühte ich meinen Garmin. Dieser zeigte dank Topo-Map den Gipfel ganz souverän auf der gegenüberliegenden Seite, da wo Schwefel dampfte, an. Also kraxelten wir galant noch rüber auf die andere Seite mit ebenfalls grandioser Aussicht und atemberaubendem Bergpanorama. Geschafft!

Gipfel
Am Gipfel Mt. Ngaurohe

Nach der obligatorischen Gipfel-Brotzeit mit Riegel, Nüssen und Keksen ging es wieder im Eilschritt runter auf den Hauptweg. Die über 1000 Höhenmeter Abstieg auf solch rutschig weichem Untergrund waren teilweise äußerst gefährlich, gegen Ende hin aber auch ein Riesengaudi. Wie im Winter im Tiefschnee sind wir hier äußerst geschmeidig, locker und flüssig runter gerutscht: Ein Schritt gemacht, 2 m gerutscht.

Massentourismus am Berg
Massentourismus am Berg

Mittlerweile hatte sich der Berg gefüllt und zahllose Massen wollten ebenfalls auf diesen durch „Herr der Ringe“, berühmt gewordenen Berg. Es konnte einem fast Leid tun wie manche diesen Berg gollomartig auf allen Vieren hochgekraucht sind. Statt sich die beste Linie für den Aufstieg zu suchen, sind die meisten einfach geradeaus hoch, oder haben es zumindest versucht. Ob sie alle oben angekommen sind? Ich weiß es nicht. Ob sie alle heile wieder runter gekommen sind? Schwer zu glauben.

Unseren Vorteil des frühen Starts hatten wir mit der Besteigung verspielt und fanden uns schließlich in Massen von Wanderern wieder, vor uns 50 Wanderer, hinter uns 50 Wanderer. Man spricht von 700 Wanderern täglich!

Massentourismus am Berg
Massentourismus am Berg

Rolleurartig sind wir an allen vorbei marschiert und haben gleich noch den nächsten Extragipfel, den Mt. Tongariro, in Angriff genommen. Dieser war schnell gemeistert und die Aussicht wiederholt extrem herrlich.

Auf der kompletten Wanderung hat man durchweg 1A Aussicht. Sei es auf Bergseen, sei es auf andere Berge, auf dampfende Schwefelquellen oder auf Hochebenen.

Tongariro alpine crossing
Tongariro alpine crossing

Man hat durchweg was zu bestaunen wodurch die Kilometer nur so dahinschmolzen und mein Fotoapparat fast anfing zu glühen.

Trotzdem waren die letzten Kilometer Abstieg äußerst mürbend und zäh. Den Abstieg würde ich mir am liebsten immer sparen. Der bringt keine Punkte, macht keinen Reiz aus und beansprucht nur sinnlos die Bänder und Sehnen.

Abstieg Ende gut - Alles gut
Abstieg Ende gut – Alles gut

Birte trafen wir schließlich 100% ausgeruht an der letzten Hütte kurz vor Ziel und konnten so doch noch unsere Wanderung gemeinsam abschließen. Holger war heilfroh und Birte hat wahrscheinlich ihr komplettes E-Book leer gelesen. 🙂

Ziel
Ziel

Unterm Strich waren wir schließlich dann doch ordentlich zermürbt, fußlahm und froh wieder am Campsite zu sein. Die Wanderung selbst würde ich tatsächlich als eine der schönsten bezeichnen, als eine der schönsten, die ich hier in Neuseeland gemacht habe zumindest. Den Tag begossen wir am Abend noch mit paar Bier und Wein ehe wir uns am nächsten Tag nun endgültig voneinander verabschiedeten, denn unsere Ziele hätten gegensätzlicher nicht sein können: Die beiden hatten als Ziel Süden und ich den Norden.

Tongariro national park
Tongariro national park – Wanderung von Süd nach Nord (rechts nach links)

Für mich ging es also weiter nach Taupo und später über Rotorura raufwärts ins hochgelobte Corormandel und den Norden der  Nordinsel oberhalb Auckland.

Darum wird es im nächsten und leider auch letzten Neuseelandbericht gehen.

Bis dahin: Keep smiling! 🙂

 

Euer Musch

 

 

 

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4 Kommentare bisher. Was sagst du dazu?

  1. Schmull sagt:

    Wieder eine super schöne Frühstückslektüre. Danke, sehr kurzweilig zu lesen. Schade, dass es in Neuseeland zu Ende geht. Die Berichte werden mir fehlen. Aber man kann nicht alles haben. Wir freuen uns auch alle, wenn du hier wieder aufschlägst?????, aber bissel Zeit ist ja noch, sogar noch viel. Sind ja noch über 2 Monate…..Du verbreitet nur gerade so ne Abschiedsstimmung ? also genieß die Zeit ???

    16/04/2016
    Antworten
    • Ja, wirklich schade, dass Neuseeland nun wahrhaftig vorbei ist. Da es reibungslos weiter ging, hatte ich noch gar keine richtige Zeit zu trauern. Erstmal heißt es alles erleben und mitnehmen was geht.
      See you!

      06/05/2016
      Antworten
  2. Scheijen sagt:

    Das sind wieder sehr beeindruckende Bilder, ich freue mich schon auf zukünftige Diashows ? in SRO. Aber bis dahin hast du noch eine erlebnisreiche Zeit vor dir und kannst noch das ein oder andere Bild einfangen. Danke für deinen unterhaltsamen Beitrag und bis bald.
    See you ?

    17/04/2016
    Antworten

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